Referenz
Häufig gestellte Fragen
Direkte Antworten auf die Fragen, die Leser am häufigsten zu Family Offices und den umliegenden Strukturen stellen.
- Was ist ein Family Office?
- Ein Family Office ist eine private Organisation, die finanzielle, Governance- und oft operative Angelegenheiten einer vermögenden Familie verwaltet. Der Umfang reicht von einem einzelnen Mitarbeiter bis zu einer 50-köpfigen Operation, die Investments, Philanthropie und Concierge-Dienste betreibt. Verbindendes Element ist ein treuhänderisches Mandat gegenüber der Familie statt gegenüber einer Gebührenstruktur.
- Was ist der Unterschied zwischen einem Single Family Office und einem Multi Family Office?
- Ein Single Family Office (SFO) beschäftigt Mitarbeiter, die nur einer Familie dienen — volle Kontrolle, volle Kosten, volle Governance-Verantwortung. Ein Multi Family Office (MFO) teilt Infrastruktur über mehrere Familien zu niedrigeren Kosten pro Familie, aber mit Abstrichen bei Alignment und massgeschneidertem Service. Unter ca. 250 Mio. investierbarem Vermögen gewinnt meist das MFO-Modell; über 500 Mio. wird das SFO-Modell tragfähig.
- Wie viel Vermögen rechtfertigt ein Family Office?
- Es gibt keine feste Schwelle. Die meisten Familien formalisieren ein Family Office zwischen 100 Mio. und 500 Mio. investierbarem Vermögen — aber selten ist die AUM allein der Auslöser. Nachfolge im operativen Geschäft, multijurisdiktionelle Residenz, Familienzweige über mehrere Generationen und steigende Compliance-Last sind meist gewichtiger als die absolute Zahl.
- Was kostet der Betrieb eines Family Office pro Jahr?
- Die Kosten skalieren mit dem Umfang. Ein fokussiertes Single Family Office am unteren Ende der AUM-Spanne kostet typischerweise CHF 1,5-3 Mio. an Betriebskosten pro Jahr; grosse Offices mit mehreren Jurisdiktionen, philanthropischer Aktivität und Concierge-Funktionen können CHF 10 Mio. übersteigen. Multi-Family-Office-Beziehungen verlangen meist 30 bis 100 Basispunkte auf AUM, je nach Dienstleistung.
- Was ist eine Familienverfassung und warum zählt sie?
- Eine Familienverfassung ist ein schriftliches Dokument, das die geteilten Werte, Governance-Strukturen und Entscheidungsregeln der Familie festhält. Weniger als 30 Prozent der Family Offices mit AUM über 500 Mio. verfügen über eine — und diejenigen, die sie haben, erleben deutlich weniger Konflikte bei Nachfolgeereignissen. Der Erstellungsprozess gilt als wertvoller als das Dokument selbst.
- Welche Jurisdiktion eignet sich am besten für ein Family Office?
- Es gibt keine universelle Antwort. Die Schweiz führt bei Stabilität und Banktiefe; Singapur beim Doppelbesteuerungsnetz und Regulator-Qualität; Luxemburg beim EU-Zugang und der Fondsinfrastruktur; die VAE bei Geschwindigkeit und gründerfreundlicher Residenz. Die richtige Wahl hängt davon ab, wo die Familie lebt, wo die Vermögenswerte liegen und unter welchen Regimes die Familie für das nächste Jahrzehnt operieren möchte.
- Was ist Direktinvestition für ein Family Office?
- Direktinvestition bedeutet, Beteiligungen direkt an operativen Gesellschaften oder Vermögenswerten einzugehen statt über einen Fondsmanager. Sie senkt Gebühren und erhöht die Kontrolle, erfordert aber proprietären Dealflow, hauseigene Due-Diligence-Tiefe und Post-Investment-Governance-Fähigkeit. Ohne alle drei landen Familien meist bei einem Portfolio einzelner Positionen, das auf Papier wie ein Programm aussieht, strukturell aber unterperformt.
- Was ist FATCA und warum betrifft es Family Offices?
- FATCA — der Foreign Account Tax Compliance Act — ist US-Gesetzgebung, die ausländische Finanzinstitute verpflichtet, dem IRS Konto-Informationen über US-Personen zu melden. Für Family Offices mit US-Personen-Bezügen ist FATCA-Compliance operativ bedeutsam: jede Entität muss klassifiziert, jede kontrollierende Person identifiziert und Dokumentation gepflegt werden — sonst können Banken zurückbehalten oder Konten schliessen.